Das Working Capital ist dein Umlaufvermögen abzüglich deiner kurzfristigen Verbindlichkeiten. Zum Umlaufvermögen gehören Geld, Warenbestand und Geld, das Kunden dir noch schulden. Zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gehören Lieferantenrechnungen und Steuern, die binnen eines Jahres fällig werden. Die Differenz zeigt, was zur Finanzierung des Tagesgeschäfts übrig bleibt.
Ein Beispiel. Bei 90.000 Euro Umlaufvermögen und 55.000 Euro kurzfristigen Verbindlichkeiten beträgt das Working Capital 35.000 Euro.
Das Working Capital misst, ob du die Rechnungen zahlen kannst, die in den nächsten zwölf Monaten fällig werden. Positives Working Capital heißt, das Umlaufvermögen deckt die kurzfristigen Schulden. Negatives Working Capital heißt, du hängst davon ab, dass schnell neues Geld eintrifft.
Durchgerechnetes Beispiel für einen Laden. Geld 20.000 Euro, Warenbestand 55.000 Euro, offene Kundenrechnungen 15.000 Euro: ein Umlaufvermögen von 90.000 Euro. Lieferantenrechnungen von 40.000 Euro und geschuldete Mehrwertsteuer von 15.000 Euro: kurzfristige Verbindlichkeiten von 55.000 Euro. Das Working Capital beträgt 35.000 Euro. Nun gibt der Laden seine 20.000 Euro Geld für zusätzliche Ware aus. Der Warenbestand steigt auf 75.000 Euro und das Geld fällt auf null. Das Working Capital beträgt weiterhin 35.000 Euro, aber der Laden kann nächste Woche keine einzige Rechnung zahlen.
Genau das übersehen die meisten Gründer: Working Capital ist kein Geld. Warenbestand zählt zum Umlaufvermögen, auch wenn ihn niemand kaufen will. Kundenrechnungen zählen mit, auch wenn der Kunde nach 90 Tagen zahlt.
Das zweite Missverständnis betrifft das Wachstum. Wachsende Unternehmen brauchen meist mehr Working Capital, nicht weniger. Verkaufst du mehr, kaufst du mehr Ware und wartest auf mehr Rechnungen. Ein Geschäft, das den Umsatz verdoppelt, muss womöglich zusätzliche 50.000 Euro finanzieren, die in Warenbestand und Forderungen gebunden sind, bevor der zusätzliche Gewinn eintrifft. Deshalb geht rentablen Unternehmen trotzdem das Geld aus.
Drei Hebel verändern das Working Capital: Ware schneller verkaufen, Kunden früher zahlen lassen und längere Zahlungsziele mit Lieferanten verhandeln. Jeder davon setzt Geld frei, ohne einen einzigen Euro von außen aufzunehmen.
